Das Thesenpapier des Berufsverbands deutscher Honorarberater

Unsere Forderungen an die Politik

Thesenpapier des Berufsverbands Deutscher Honorarberater e.V. (BVDH)

Stand 2/2011

I.

Etablierung der Honorarberatung

Der BVDH setzt sich dafür ein, die Honorarberatung gesetzlich zu etablieren.

  • Für den Versicherungsbereich hat der Gesetzgeber mit dem Versicherungsberater in § 34e der Gewerbeordnung bereits eine Norm geschaffen, welche die Honorarberatung im Versicherungsbereich ermöglicht.
  • Für den Wertpapierbereich stellt sich die Situation derzeit noch als unbefriedigend dar. Hier kann die Anlageberatung sowohl auf Basis einer Erlaubnis nach § 32 KWG als auch - wenn auch beschränkt auf Investmentfonds - auf der Grundlage einer Erlaubnis nach § 34c der Gewerbeordnung erbracht werden. Der BVDH setzt sich für eine Vereinheitlichung der Regulierung ein. Favorisiert würde dabei eine Regelung allein auf Basis des Kreditwesengesetzes und damit auch des Wertpapierhandelsgesetzes, das heißt konkret die Abschaffung der Ausnahme in § 2 Abs. 6 Nr. 8 KWG. Für diesen Fall fordert der BVDH allerdings eine Anpassung des Kreditwesengesetzes an die besonderen Umstände der Honorarberater.

Im Einzelnen:

  • Schutz des Begriffs „Honorarberatung" analog der §§ 39, 40 KWG für diejenigen Berater, die eine entsprechende Selbstverpflichtungserklärung abgeben,
  • Einführung eines erleichterten Erlaubnisverfahrens für kleine Finanzdienstleistungsinstitute,
  • Anpassung kostenintensiver Kontrollvorschriften für kleine Finanzdienstleistungsinstitute im Kreditwesengesetz wie bspw. §§ 24, 25, 25a, 26 KWG.

In jedem Fall fordert der BVDH die

  • Gesetzliche Definition des Begriffs „Honorarberatung",
  • Einführung einer strengen Sachkundeprüfung analog der Verordnung über die Versicherungsvermittlung und -beratung,
  • Einführung eines einheitlichen Registers, aus dem sich eindeutig die jeweilige Stellung (Honorarberater/Anlageberater/Vermittler) ergeben muss,
  • Erweiterung der Finanzinstrumente um die Produkte des grauen Kapitalmarktes.

Langfristig strebt der BVDH die Anerkennung der Honorarberatung als Standesberuf analog den Steuerberatern und Rechtsanwälten an.

II.

Kein Nebeneinander von Provisionen und Honoraren

Der BVDH fordert die strikte Trennung von Vermittlern auf Provision und Beratern gegen Honorar. Nur dadurch ist für den Verbraucher sichergestellt, unabhängige Beratungsleistung zu identifizieren. Mischmodelle gehen regelmäßig zu Lasten der Verbraucher. Der Interessenskonflikt durch Vertriebsanreize wird nicht gelöst und der Verbraucher häufig nur dann gegen Honorar beraten, wenn keine lukrativen Provisionen verdient werden können. Mischmodelle sollten daher von vornherein ausgeschlossen sein.

Hierzu zählen unserer Ansicht nach auch so genannte Factoringmodelle, in denen zwischengeschaltete Dienstleister das vermeintliche Honorar des Vermittlers vorfinanzieren. Dies stellt nur ein Provisionssurrogat dar. Außerdem wird der Schicksalsteilungsgrundsatz ad absurdum geführt, wonach die Courtage das Schicksal der Versicherungsprämie teilt.

III.

Keine Abschaffung des Provisionsabgabeverbotes im Versicherungsbereich

Der BVDH fordert im Versicherungsbereich eine:

Gesetzliche Verpflichtung der Versicherer zur Schaffung von echten Honorartarifen und zwar für sämtliche Versicherungsprodukte

Oder

die Abschaffung sämtlicher Courtagen und die Einführung eines „skandinavischen" Vergütungssystems, d.h. der Vermittler/Berater vereinbart eine Vergütung unmittelbar mit seinen Kunden, welches der Versicherer zusätzlich zu den Prämien einzieht.

Derzeit gibt es eine Fülle von Anbietern, die Ihre Produkte als Honorartarife oder Nettotarife bezeichnen. Häufig ist festzustellen, dass es sich hierbei nur um abschlusskostenreduzierte Tarife handelt.

Der BVDH fordert daher eine gesetzliche Normierung für Honorartarife, das heißt:

  • keine courtageabhängigen Kosten (z.B. für Verwaltung von Provisionen, Storno),
  • kein freies Bestimmungsrecht über die Höhe der Courtage (sogenannte Nettoisierungen),
  • keine sonstigen Kickbacks,
  • bei Fondspolicen alle Kickbacks aus Fonds zu Gunsten der Police.

Das derzeit bestehende Provisionsabgabeverbot zwingt die Versicherer zur Schaffung echter verbraucherfreundlicher Honorartarife. Würde es abgeschafft, könnten die Versicherer sich leicht aus der Verantwortung stehlen, indem sie es den Versicherungsvermittlern überließen, einen Teil der erhaltenen Courtage an den Verbraucher auszukehren. Dadurch würden folgende Punkte verbraucherschädlich fortexistieren:

  • Niedrige Rückkaufswerte und damit eingeschränkte Verfügbarkeit bei erforderlichen Anpassungen (Beitragsfreistellung, etc.)
  • Der Verbraucher zahlt bei der Provisionsrückerstattung weiterhin Bestandteile in seinem Beitrag, welche mit der Verwaltung und Bezahlung von Provisionen zu tun haben. Dies mindert die Ablaufleistungen erheblich.
  • Berater erhalten zum Teil erheblich unterschiedliche Höhen von Courtagen - damit ist eine Gleichbehandlung von Versicherten nicht möglich. Berater die hohe Volumen produzieren erhalten mehr - andere weniger. Der Anreiz einseitig Versicherungsunternehmen auszuwählen steigt

IV.

Transparenzvorschriften für Finanzprodukte

Der BVDH fordert echte Kostentransparenz für sämtliche Finanzprodukte, d.h.:

  • Reduction in Yield (RIY)statt Euro und Cent; Bei der RIY handelt es sich um eine Gesamtkostenkennziffer, die angibt, um wieviel Prozent die Rendite (vor Kosten) eines bestimmten Anlageprodukts jährlich gemindert wird. Entscheidend für den Anleger ist, was als Nettorendite nach Abzug aller Kosten übrigbleibt. Die von den Fondsgesellschaften

angegebene sogenannte Total Expense Ratio ist nicht ausreichend, obwohl die Bezeichnung dies suggeriert, da sie weder Ausgabeaufschläge und Performancegebühren noch Transaktionskosten enthält.

  • Genereller Ausweis aller Kosten (analog RIY) im Beratungsprotokoll,
  • Angabe von Verlusten im Beratungsprotokoll bei Kündigung oder Umdeckung von Versicherungsverträgen oder sonstigen Verträgen.

V.

Steuerliche Absetzbarkeit von Beratungshonoraren

Der BVDH fordert die steuerliche Absetzbarkeit von Beratungshonoraren. Durch die Einführung der Abgeltungsteuer wurden die Beratungskosten schlechter gestellt, als im Produkt enthaltene Provisionen, die den Gewinn mindern und zu einer steuerlichen vorteilhaften Behandlung führen.

VI.

Beweislastumkehr

Der BVDH fordert eine generelle Beweislastumkehr zu Gunsten der Anleger und unabhängig vom jeweiligen Vertriebskanal.